Donnerstag, 7. Juli 2011


Truebe Stimmung

Ich bin wieder gut aus Kairo zurueck, wohlauf und freue mich schon langsam auf meine anstehende Deutschlandreise.
Leider ist aber auch mit dem heutigen Tag die Stimmung etwas getruebt. Einer meiner Kollegen und guter Freund hat heute gekuendigt. Leider kann er aus gesundheitlichen Gruenden seinen Job nicht fortsetzten. Er ist einer der Kollegen, der wirklich alles fuer die Firma gegeben hat. Er hat 4 Jahre in Pakistan gelebt, mit Leib und Seele und traegt das Land zogar in seinem Herzen. Er hat immer eine verrueckte Geschichte parat und ist wirklich zu bewundern. Doch leider spielt das Leben manchma nicht so wie man will und wiedereinmal fuehrt es mir vor Augen, wie froh man doch sein soll, wenn man nur gesund ist, man sollte jede Sekunde geniessen, denn es kann sich jederzeit aendern.
Mein Kollege hat einen schweren Weg vor sich...leider mit bleibenden Schaeden. Er ist stark, sehr stark und kein Maulheld, eine frohe Natur, die das einfach nicht verdient hat. Doch ich weiss dass er ein Kaempfer ist. "Fuer die, die fuer etwas Kaempfen hat das Leben eine gewisse Wuerze, die die geschuetzt Lebenden niemals kennenlernen werden...", das war immer sein Motto und ich hoffe das wird es auch bleiben.
Ich wuensche meinen Kollegen nur das Beste...
Ich habe in meiner Zeit hier schon die ein oder andere Abschiedsmail lesen muessen, beruflich, wie auch privat. Seine Mail ging speziell an sein Team in Pakistan. Er ist kein wirklich religioeser Mensch, doch die Mail endete mit dem Worten: "ich hoffe dass ihr fuer mich betet", was mir persoenlich sehr nahe ging...

Dienstag, 5. Juli 2011


Und sie drehen sich nicht...

Nicht mal 2 Tage Kairo habe ich nun hinter mir...wer Kairo nicht kennt kann sich gluecklich schaetzen. Die Stadt ist extrem verschmutzt und kommt in meine Liste der schlimmsten je besuchten Staedte gleich nach Lagos, das gleiche gilt fuer Gizeh.
2 Tage, 2 Verkehrsunfaelle. Den ersten Unfall hatten wir im Kleinbus von Flughafen zum Hotel, als ein Auto von hinten in den Bus bretterte. Zum Glueck blieb das Gepaeck und Knochen heil. Der Busfahrer hat den Unfall einfach mit einem Gespraech geklaert, 2 Minuten spaeter ging es weiter. 2. Unfall ereigenete sich heute in den Strassen von Gizeh. Ich kann nichtmal genau sagen aus welcher Richtung genau wir gerammt wurden, da die Reise sofort ohne Aussteigen fortgesetzt wurde...das ist hier anscheinend normal. Ich bin aber wohlauf.
Dafuer wurden wir aber heute fuer all unsere Muehen belohnt. Mein Kollege und ich wurden zu den beruehmten Pyramiden eingeladen. Die sind etwa eine Stunde (denkste!!! 2,5 Stunden) vom Hotel entfernt. Der Verkehr ist so schlimm, dass sich der Fahrer leider verfahren hat (da er den Weg zu den Pyramiden nicht kannte). Ja das kann schonmal passieren, wenn man sein ganzes Leben hier in Kairo gewohnt hat, man wird halt einfach blind fuer solche Sachen, auch alle Leute, die wir gefragt haben wussten es nicht...unsere Weihnachtspyramiden kennt schliesslich auch nicht jeder.
Tja, und dann endlich vor Ort, musste ich leider feststellen, dass sich die grossen, echten Pyramiden in Gizeh gar nicht drehen. Es gibt nicht mal Kerzenhalterungen an den Seiten. Die gewaltigen Steinhaeufen stehen einfach nur so da...da muss man anscheinend mal wieder das Lager oelen.
Dafuer aber hat man eine tolle Licht- und Lasershow dargeboten. Das ist allerdings alles was es hier zu sehen gibt. Die Megastadt Kairo/Gizeh ist mittlerweile an die Pyramiden herangewachsen. Wer glaubt die Gegend um die Pyramiden ist schoen, irrt. Es handelt sich um eine Stadt mit offener Gloake, der Gestank weht einem noch vor den Pyramiden in die Nase. Ueberall Muellberge und zwischendrin Haendler, die einem jeden Moeglichen Spittel verkaufen wollen. So wie zum Beispiel Papyrus mit ein paar Zeichnungen, sind hier fuer ueber 1000 Euro in den schaebigen Laeden neben den Pyramiden zu ergattern. Die Lichtshow an den Pyramiden sollte man gesehen haben, alles andere drumherum ist lediglich traurig, enttaeuschend und Ekel erregend (und ich bin normalerweise relativ zaeh, was das angeht).
Kairo...was soll ich nur dazu sagen. Nahezu alle Hauser sind nur halbfertig, kaputt, oder bereits eingefallen. Hier wohnen Leute in Wohnungen ohne Fenster, ohne Tueren, zum Teil ohne Daecher, zum Teil ohne Waende. Ich habe auch Wohnungseinrichtungen einfach in den Strassen stehen sehen, in denen Essen gekocht wurde. In dem dichten Verkehr findet man ausserdem hin und wieder total ueberladene Eselkarren (inklussive Esel). Damit kommt Kairo nahzu an die Umstaende in Lagos heran...

Mittwoch, 29. Juni 2011


Nach 18 Tagen Werkstatt

Gestern war der Augenblick der Wahrheit. Die Werkstatt hat mich angerufen und gemeint, dass sie den Motor neustarten wollen, nach dem sie ihn komplett ausgebaut und runderneuert haben. "Wenn die Testfahrt gut ist, ist das Auto fertig", hat der Werkstattmann gemeint. Das klang recht abenteuerlich.
Also bin ich gestern Nachmittag zur Werkstatt gefahren. Ich musste eine ganze Weile in der Hitze warten und habe mir angesehen, welche Fahrzeuge sonst so in dieser Werkstatt stehen. Ich war erstaunt. 2 riesige Garagen voll mit Oldtimern...alte Mercedes Sportmodelle und Ferrari's, ich kam mir etwas vor wie in einem Museum.
Ich habe etwas mit dem Mechaniker gesprochen und gefragt ob es wohl besser waere das Auto jetzt zu verkaufen, immerhin hatte es einen Motorschaden...in Deutschland haette man es wahrscheinlich vor der Reparatur verkauft. Billig war die Reparatur nicht... Aber der Mechaniker meinte, dass alles ordnungsgemaess ausgefuehrt wurde und auf alle Arbeiten und Teile Garantie ist...dennoch war ich etwas unsicher.
Aber als der Wagen dann aus der Werkstatt kam und die 8 Zylinder wieder ihr tiefes Grollen von sich gaben, dachte ich mir: "verkaufen?". Nein, das kommt nicht in Frage. Der Motor brummt wieder wie immer, es laesst sich sogar etwas leichter fahren und gleitet wie Butter dahin.
Deswegen gehts heute zur Testfahrt in die Wueste. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, oder wie war das?


Freitag, 24. Juni 2011


Noch kein Zeichen

Es ist fast 2 Wochen her als der Land Rover den Geist aufgegeben hat. Leider hat die Werkstatt noch keine Neuigkeiten, der Wagen ist immernoch in Reparatur. Ursache fuer das ganze Desaster war ein Lecken der Wasserpumpe, und ohne Kuehlwasser ist das numal recht schlecht in der Wueste. Es sind einige Sachen weggebrannt. Der Mann der Werkstatt hatte mir eine lange Liste vorgetragen, was er denn alles erneuern muss. Jetzt gruebel ich mit dem Gedanken das Auto zu verkaufen, wenn es repariert ist...aber das waere auch schade, ich mag das Auto eigentlich sehr. Mal sehen wie es sich anfuehlt wenn es fertig ist und was die Werkstatt dann sagt. Ich habe auch diesmal eine professionelle Werkstatt gewaehlt, die mir von einem deutschen Freund empfohlen wurde, ich hoffe dass dort kein Pfusch am Werk ist...
Tja, was macht man denn ohne Auto am Wochenende? Arbeiten :) oder man geht zum Brunch. Ich war eigentlich noch nie zu einem richtigen Brunch, deswegen werde ich das heute mit ein paar Freunden aus Sued Afrika nachholen. Brunch geht hier von 12-16 Uhr, alle Getraenke und Essen inklussive. Kostenpunkt: um die 35 Euro, aber wenn man bedenkt dass alle Getraenke dabei sind, ist das fuer Dubaiverhaeltnisse sehr gut. Ausserdem muss ich mit denen noch meine Urlaubsplaene zuende schmieden, der Busch von Sued Afrika steht doch dieses Jahr auf meiner Wunschliste...

Samstag, 18. Juni 2011


Eine einzigartige Stadt

Es blieb an einem Abend Zeit sich ein wenig in der Stadt umzusehen und mein Kollege hatte die Idee am Ufer entlangzulaufen und die anderen Mitglieder der Konferenz zu treffen. Das Restaurant hatte den oben abgebildeten Ausblick ueber den Bosporus. Im Minutentakt fuhren dort diese Megaschiffe vorbei. Wenn es dunkel wird ist diese Bruecke beleuchtet und wechselt sogar die Farben. Istanbul hat grosse Kneipenviertel, nicht nur hier am Meer, nahezu jeder Stadtteil hat einen Bereich in dem sich ein Restaurant neben dem anderen anreiht. Nach dem Essen sind wir noch etwas trinken gegangen "one for the road". Das haben wir in einem Lokal mit dem Namen "Reina" getan. Mein Kollege und ich wussten nicht, dass es der angesagteste Treffpunkt in ganz Istanbul ist. Dort legen Yachten an und die Gaeste des Lokals steigen vom Boot...zumindest haben das alle anderen so gemacht, wir waren froh dass wir in Jeans und Hemd ueberhaupt reingekommen sind. Natuerlich hatten wir einen Bekannten dabei, der aus Istanbul stammt, was uns eventuell geholfen hat.
Es war eine wunderbare Woche in Istanbul, auch wenn wenig Zeit fuer Freizeit geblieben ist, es ist eine unglaublich sehenswerte Stadt.
Nachdem ich gestern hier in Dubai eingetroffen bin, hat es eine ganze Weile gedauert bis ich das Appartment wieder runtergekuehlt hatte, denn ich schalte die Klimaanlage immer ab, wenn ich unterwegs bin. Vom Land Rover gibt es leider immer noch keine Neuigkeiten, der steht seit einer Woche in der Werkstatt mit einem Motorschaden. Der Werkstattmann hat schon angekuendigt dass es sich leider um eine groessere Reparatur handelt, die Lady hat eben nun ein gebrochenes Herz...

Dienstag, 14. Juni 2011


Eine Stadt voller Leben

Ich habe mich schon eine Weile danach gesehnt wieder mal in eine Stadt zu kommen, in der das Leben so richtig tobt, wo man in den Strassen ein Bierchen geniessen kann und dabei einfach zusieht, was die anderen Leute so machen. Leute beobachten, wie sie den ganz normalen Alltag bewaeltigen, wie sie streiten, lachen, einkaufen oder wild autofahren. Istanbul hat offiziell um die 13 Millionen Einwohner und zaehlt zu den groessten Staedten der Welt. Einige Leute hier meinen sogar es seien um die 20 Millionen, genau weiss es aber keiner. Doch es wimmelt nur so von Leuten in den Strassen und das gefaellt mir. Istanbul ist ein gutes Beispiel einer Stadt in der sich die Moderne mit alter Kultur vermischt und sich ineinander einfuegt. Dazu liegt Istanbul am Meer, das Klima ist sehr angenehm und die Stadt ist sehr offen. Ich wohne diesmal am Taksim Square, nicht wieder auf der ruhigeren, asiatischen Seite wie letztes Jahr. Hier gibt es einige Promenaden und unzaehlige kleine Kneipen. Die Strassen sind voll mit Menschen und man wird dauernd angequatscht von den sogenannten "Schleppern", die einen in irgendwelche Bars ziehen wollen. Aber die Stadt lebt. Dubai ist derzeit so leer, man sieht in den Strassen nur Autos, alle Fussgaenger sitzen drinnen wegen der Hitze. Hier ist es anders, die Leute zieht es in die Strassen, es gibt hunderte Dachterrassen, die als Restaurants ausgebaut sind und einen herrlichen Blick ueber die Stadt liefern. Ich kann dieses Flair leider immer nur abends geniessen, tagsueber habe ich ja zu tun, aber das reicht mir schon aus. Am Abend nach der Arbeit kann man sich gemuehtlich in einer der Gassen setzen, sich zuruecklehnen, ein kuehles Bierchen schluerfen und dem bunten Treiben einfach zusehen. Heute habe ich auch mal wieder Regen gesehen...nach 3 Monaten, schon erstaunlich, dass man sich doch auch mal ueber Regen freuen kann...

Samstag, 11. Juni 2011


Burn Out

Ja, soviel zu britschen Autos in der Wueste von Dubai...Ich wollte heute eigentlich zum Alkoholladen fahren. Der Weg dahin fuehrt groesstenteils ueber eine Wuestenautobahn. Sehr weit bin ich aber nicht gekommen. Ich habe gemerkt, dass das Auto sich heute etwas schwerfaellig bewegt hat, allerdings habe ich mir nichts dabei gedacht. Ist ja schliesslich Wochenende, das Auto braucht ja auch mal seine Ruhe. Auf der Autobahn fiel mir dann aufeinmal die Motortemperaturanzeige auf...die Nadel war im roten Bereich und da begann es auch schon fuerchterlich zu stinken. Zum Glueck war ich gerade an einer Haltebucht, noch bevor ich einbiegen konnte ging alles aus. 2,5 Tonnen sind ohne Bremskraftverstaerker ganz schoen schwer zu bremsen. Ich habe in den Motorraum gesehen, doch mir kam leider nur eine dicke Qualmwolke entgegen und dieser Gestank. Nun gut, dachte ich, kein Feuerloescher dabei, sollte das Auto nun Feuer fangen, kann ich nur zusehen, wie es mir abbrennt... Also ich habe mein Zeug aus dem Auto geholt und gewartet was passiert. Nebenbei habe ich gemerkt, dass ich zu allem Ueberfluss die Nummer des Abschleppdienstes nicht dabei habe, diesen Service bekomme ich sogar kostenfrei...allerdings war heute nicht mein Glueckstag. Wasser hatte ich natuerlich auch nicht dabei, nicht gerade die besten Umstaende mitten in der Wueste. Also habe ich einen Freund angerufen und erklaert, was passiert ist. Dieser hat sich natuerlich gleich auf den Weg gemacht um mir zu helfen. Da kam aber gerade zufaellig dieser Abschlepplaster vorbei. Natuerlich mit 2 Pakistnischen Landsleuten, die mir weiterhelfen wollten. Er kannte das Problem und meinte ich solle das Auto lieber nicht neustarten, er bringt mich in die naechste Werkstadt. Eigentlich wollte er mich in die Werkstatt seines Kumpels bringen, die lag aber am anderen Ende der Stadt, bzw im naechsten Emirat und das wollte ich nicht.
Auf dem Laster ging es dann zur Werkstatt.
Die Rezeption der Werkstatt war voller Leute, die hoeren konnten was ich gesagt habe. Ich meinte ich bringe ein Auto, das aber nicht mehr anspringt und gekocht hat. Dann fragte mich die Frau welches es denn sei und ich habe darauf gezeigt. Natuerlich haben sich alle umgedreht, der Land Rover war auf dem Laster stehend nicht zu uebersehen und manche haben geschmunzelt...
Tja, mal sehen was man feststellt, ich hoffe es ist nichts abgebrannt.
Schwieriger war es dann von der Werkstatt, die im Nirgendwo liegt wieder nach Hause zu kommen. Es war gerade die Zeit, in der die Taxifahrer Schichtwechsel haben...Taxi Fehlanzeige. Also habe ich mich zu Fuss auf den Weg gemacht, zur ca. 3km entfernten Mall of the Emirates. Ein hartes Unterfangen bei 45 Grad und ohne Wasser. Auf halber Strecke musste ich bei Pizza Hut eine Pause einlegen und etwas kuehles trinken. Und eine halbe Stunde spaeter kam ich dann total verschwitzt und kaputt in der Mall an, wo ich endlich in die klimatisierte S-Bahn nach Hause steigen konnte.
So ist das eben, mit dem Land Rover faehrt man los und mit dem Zug kommt man wieder nach Hause...und Bier habe ich nun trotzdem keins.